St. Josef Stift - Der Blog



Als das Emsland im Schnee versank

 

Auch wenn inzwischen der April begonnen hat und der Frühling sich vor einigen Wochen bereits mehrfach bemerkbar gemacht hat, blicken wir heute 40 Jahre zurück in die Zeit um den Jahreswechsel 1978/1979. Die Ems-Zeitung berichtete bereits Mitte Januar 2019 über den „Jahrhundertwinter“ unter dem Titel: „Als das Emsland im Schneechaos versank und nichts mehr ging“. Zahlreiche Zeitzeugen meldeten sich zu Wort und auch die Redaktion erinnerte sich. Der damalige Winter betraf allerdings auch die Gegend um den Hümmling und Börger. Das heißt, auch der damalige Betrieb im Krankenhausgebäude des heutigen St. Josef Stifts war in besonderer Weise von den tiefen und eisigen Temperaturen betroffen.

Zu dieser Zeit hatte das St. Lukas-Heim das Gebäude mit rund 30 Menschen mit Behinderung bezogen. Im Lukas-Boten, der Zeitschrift für „Nachrichten aus den Einrichtungen vom St. Lukas-Heim in Papenburg“ (Ausgabe 1/2019: Seite 55-56), erinnert sich eine Mitarbeiterin – Maria Wöste – an den Winter:

 

„Sie war damals als Praktikantin der Unterklasse der Fachschule für Heilerziehungspflege tätig […]. Ihre Kollegen hatten im St. Josef Stift bereits seit vier Tagen ununterbrochen Dienst geleistet, da der Straßenverkehr aufgrund der Schneemassen völlig zum Erliegen gekommen war. Auch die rund drei Kilometer lange Verbindungsstraße von Neubörger nach Börger war davon betroffen. Um die Kollegen dennoch abzulösen machte sie sich mit drei weiteren Kräften zu Fuß auf den Weg nach Börger. Mit einem Schneepflug war es Hilfskräften gelungen, einen Korridor auf der Hauptstraße in Neubörger zu schaffen. Aber ab Ortsgrenze war mit dem Auto kein Durchkommen mehr, da es auf den weiten weißen Flächen immer wieder zu starken Schneeverwehungen gekommen war.  Sechs Stunden sollte der Marsch über die zugeschneiten Wiesen und Felder dauern. Immer wieder brachen sie bis zu den Hüften in den weißen Massen ein. ‚Beim Wacholderhain stand ein Treckergespann. Wir dachten, dass man auf uns warten würde‘, erinnert sich die Kollegin, die inzwischen 40 Jahre für das St. Lukas-Heim tätig ist. Das Gespann fuhr jedoch weiter. Also mussten sie das letzte Stück bis zum St. Josef Stift auch noch zurücklegen. ‚Das war deutlich leichter, weil ein Großteil des Weges durch einen Wald führte, der nicht so extrem zugeschneit war‘, erinnert sie sich. In Börger angekommen wurden sie bereits […] erwartet. Denn alle hatten bereits mehrere Tage Dauerdienst geleistet. Von Mittwoch bis Samstag Mittag sollte der Dienst dauern. Die Versorgungslage in Börger war nach ihren Worten gut. Die damaligen Lebensmittelgeschäfte, Bäckerei- und Fleischereifachbetriebe versorgten die Küche vom St. Josef Stift ausreichend […]. Zwischenzeitlich war der Katastrophenfall ausgerufen worden, so dass die Bundeswehr auf der Straße von Neubörger nach Börger mit einem Bergepanzer einen Korridor durch die Schneemassen geschaffen hatte. ‚Links und rechts waren etwa 1,5 Meter hohe Schneemauern. Das sind Bilder, die man nie vergisst‘, so Wöste […].

 

 

Weitere Informationen zum Jahrhundertwinter 1978/1979  gibt es in der Ems-Zeitung. Den vollständigen Artikel können Sie demnächst auf den Seiten des St. Lukas-Heims lesen. Wir bedanken uns beim St. Lukas-Heim, insbesondere Jürgen Eden für die freundliche Genehmigung des Artikels.

 

Börger, 04.04.2019


Altenpflege im St. Josef Stift – wohin geht die Reise? Ein Blogbeitrag

 

Hallo, liebe Freunde des St. Josef Stifts!

 

Am heutigen Tage möchten wir mit einem kleinen Einblick in die aktuelle Situation des Pflegeberufs starten und uns die Frage stellen, weshalb die Pflege – und im Besonderen die Altenpflege – ein unverändert schlechtes Image besitzt. Überraschenderweise scheint sich unsere Gesellschaft in einem tiefen Zwiespalt zu befinden: Während dem Altenpflegeberuf auf der einen Seite hinsichtlich der Vergütung und den Arbeitsbedingungen sowie „verbotenen“ Gefühlsregungen wie Ekel und Scham mit Argwohn entgegengesehen wird, werden den praktisch Tätigen in Deutschland und weit darüber hinaus in puncto Fürsorglichkeit und Vertrauenswürdigkeit hohe Werte zugeschrieben. Es scheint, als ob der Beruf als solcher nicht erstrebenswert sei, aber denjenigen, die sich trotzdem dafür entschieden haben, großer Respekt gezollt wird. Gerade die Generation Z (grob zwischen 1995 und 2010), die nun nach und nach erstmals in die Arbeitswelt entlassen wird, vertritt ein anderes Wertemodell und ist vor Allem im Hinblick auf soziale Vernetzung um einiges geschulter als ihre Vorgänger. Ein Trend mag dabei jedoch generationenübergreifend nicht an Gültigkeit zu verlieren: Die „Arbeit mit Menschen“ oder das gerne zitierte „Ich möchte was mit Menschen machen“ scheint nach wie vor hoch im Kurs zu stehen. Was steckt dahinter?

Unserer Auffassung nach steht dahinter die ehrbare Motivation, nicht nur etwas mit Menschen, sondern konkret mit „hilfsbedürftigen Menschen“ zu machen. In der Aussage „Ich möchte etwas mit Menschen machen“ verbirgt sich offenbar die Sehnsucht nach Engagement zugunsten der Schwächeren in unserer Gesellschaft. Gustav Heinemann, der ehemalige Bundespräsident, prägte den Ausspruch: „Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder verfährt."

Die (langsam) steigenden Zahlen der Auszubildenden im Pflegeberuf geben Anlass zur Hoffnung, dass unsere Gesellschaft zumindest in dieser Hinsicht nicht an Wert verliert. Gleichzeitig möchten wir jedoch betonen, dass sich der Fachkräftemangel gerade in der Pflege nach wie vor verschärft. Inwiefern pflegepolitische Maßnahmen wie die Zusammenführung der Berufsausbildung zur „Pflegefachperson“ dem entgegenwirken, bleibt abzuwarten. Die Alterung unserer Gesellschaft schreitet rasant voran und auch in Zukunft bedarf es jener qualifizierten Personen, die sich bewusst für die Arbeit mit Hilfsbedürftigen älteren entscheiden.

 

Ein Blick ins St. Josef Stift zeigt uns, dass die Entwicklungen auch nicht spurlos an unserer Einrichtung vorbei gehen. Das vergangene Kalenderjahr 2018 führte uns dies eindringlich vor Augen: Im Schnitt kam oder ging alle zwei Wochen (!) ein Mitarbeiter bzw. eine Mitarbeiterin. Da bleibt kaum Zeit sich auf das Alltagsgeschäft zu konzentrieren, sowohl für die Leitung als auch für die Angestellten des Betriebes. Nach innen hin wurde uns allen bewusst, welche Herausforderungen die Arbeit in einer Pflegeeinrichtung mit sich bringt und warum der Beruf auch seine Schattenseiten hat. Inzwischen hat sich diese Situation etwas entschärft.

Ungeachtet dessen sieht sich das St. Josef Stift nicht nur im strengeren Sinne als Versorgungseinrichtung in Börger und Umgebung. Wir möchten auch Botschafter für eine gute Pflege sein. Nach wie vor zählt für uns die familiäre Arbeitsatmosphäre zu den Kernbausteinen unserer alltäglichen Arbeit. Eine solche Ausrichtung beinhaltet aber eben nicht nur „vertraute, familiäre Umgebung“ und „immer-gute-Laune“. Auch in Familien werden Konflikte und Streitereien ausgetragen und „schwierige Zeiten“ gehören ebenfalls dazu.  Unserer Auffassung nach ist es also vollkommen natürlich, dass gelegentlich Unzufriedenheit herrscht, auch unter Bewohnerinnen und Tagespflegegästen sowie den Angestellten und natürlich auch in der Leitung. Diesen Aspekt gilt es wertschöpfend in den Arbeitsalltag zu integrieren, indem wir miteinander reden und uns kümmern, nach der Devise: Wi kümmert us! Im St. Josef Stift leisten rund 70 Angestellte und Ehrenamtlich täglich wertvolle Arbeit im Sinne dieses Mottos.

 

 

Zurück zum Beginn dieses Beitrags: Das (vermeintlich) schlechte Image lastet vor Allem den Betrieben an, weniger den Pflegekräften selbst. Für die Zukunft ist also nicht nur die finanzielle Entlastung der Pflegekräfte entscheidend, sondern auch die Bedingungen, unter denen sie arbeiten müssen. Neue Formen der Flexibilisierung der Arbeitszeiten und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind die Zukunftsthemen, an denen vorrangig die Betriebe zu arbeiten haben. Hinzu kommt der Megatrend Digitalisierung. Das St. Josef Stift ist sich dieser Herausforderung bewusst und stellt sich diesen Anforderungen.


Börger, 13.03.2019